Polakenheer aus dem Bohlenreich (Sternburg, Blitzburg und Baldverwüst)

Uettinger Trachtenverein mit dem Bohlenbrautpaar

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Fotos:



Die Geschichte des Verschönerungsverein
und des Waldfestes

Bilder vom
Grafen Wolffskeel Uettingen Reichenberg

Im Winter 1909/1910 traf man sich in der Räästube bei Gärtner Johann Meckelein. Der schlechte Zustand des Soldatenfriedhofes wurde des öfteren besprochen. Sechs Teilnehmer entwickelten dabei die Idee zur Vereinsgründung, die nach einem öffentlichen Aufruf mit großem Zuspruch in die Tat umgesetzt wurde.

Der ungepflegte und verwilderte Heldenfriedhof von 1866 war dann am 5. und 12. Januar 1910 Anlass zur Gründung des Vereins. 43 Mitglieder waren beigetreten, als man am 25. Januar 1910 mit Phillip Schörcher den ersten Vorstand wählte. Die Versammlungen fanden im Gasthaus "Zum Hirschen" statt.

Erste Aktivitäten begannen kurz nach der Gründung. Der Soldatenfriedhof wurde gereinigt und 2 Porzellanschilder mit der Aufschrift Zum Friedhof und den Denkmälern der Gefallenen von 1866 gekauft und angebracht. Vier Holzbänke mit Steinsockel wurden aufgestellt am Kirchplatz und auf dem Kirchberg.


Am 17. Juli 1910 wurde das erste Waldfest, unter der Regie des neuen Vereins, auf dem Kirchberg abgehalten.

Zu diesem Fest wurde schon ein Tanzpodium gebaut und in den folgenden Jahren erst Verkaufsstände um den Festplatz errichtet. Nicht verwirklicht wurde die Idee zum Bau eines Aussichtsturmes auf dem Kirchberg. Dafür wurde 1913 im Friedhof ein Brunnen gegraben. Zur Deckung der Brunnenkosten erfolgte eine Sammlung im ganzen Ort. 156 Einzelspenden erbrachten die Summe 113,20 Mark.

Mit den Einnahmen aus Waldfest, Tanzmusik und Glückshafen (Glückstopf) wurden viele Verschönerungsmaßnahmen bis zum Jahre 1915 durchgeführt. Alleine zu Instandsetzung von Fußwegen zum Friedhof, um den Schloßgarten und am Seegraben benötigte man 146 Fuhren Steine und Kies.

Das Waldfest 1914 wurde am 12. Juli, 3 Wochen vor Kriegsbeginn gefeiert. Dazu wurde beschlossen, nach der Standmusik ein historisches Festspiel aufzuführen und zwar der Einzug einer Braut in Polen. Diese Aufführung fand großen Anklang bei der Bevölkerung. Selbst Besucher aus Würzburg und Wertheim waren angereist. Es war das letzte Fest an dem Uettinger Bier aus der Brauerei von Gottlieb Zapf ausgeschenkt wurde.

1919 , nach kriegsbedingter Pause, wurde das Waldfest erstmals über 2 Tage abgehalten, Samstag und Sonntag. Da Bierbrauer Zapf in den Kriegsjahren das Brauen eingestellt hatte und anderes Bier nicht zur Verfügung stand, wurde gespendeter und zugekaufter Apfelmost ausgeschenkt. Wurstwaren wurden durch das Mitglied Heinrich Triebig privat verkauft, da durch die Zwangsbewirtschaftung von Lebensmitteln dies dem Verein verboten war. Zum Fest schrieb der Protokollführer weiter die Kapelle Schwerthöfer aus Marktheidenfeld hat sich als sehr träge erwiesen und wird nicht mehr in Frage kommen.

Feste im größeren Rahmen mit Aufführung der Polenhochzeit wurden in den Jubiläumsjahren 1935, 1960 und 1985 gefeiert. Zusätzlich war 1935 auf dem Kirchberg noch eine große Fränkische Trachtenschau, zu der viele Gruppen aus der Umgebung nach Uettingen kamen.

Kriegsbedingt ruhte das Vereinsleben von 1939 bis 1946 . Am 15. Juli 1947 wurde eine Tanzmusik im Gasthaus Wießner abgehalten. Schlechtes Wetter zwang zur Verlegung des ersten Nachkriegswaldfestes 1948 vom Kirchberg in die Wießnershalle . Am 11. und 12. Juli wurde gefeiert, wenn es auch (wie 1919) nur Most zu trinken gab. Der schwankende Bierpreis kurz nach der Währungsreform war schuld, dass die Brauereien kein Bier lieferten. Dennoch blieb ein Überschuss von 688,84 DM in der Festkasse.

In den Jahren nach 1960 wurden die Anlagen auf dem Kirchberg ausgebaut und verbessert. Das Tanzpodium wurde vergrößert und wasserdichte Anbauten geschaffen. die Kaffebude entwickelte sich zur Cafe-Bar und die Verkaufsstände wurden gemäß den neuesten Hygienevorschriften ausgestattet. Volkstümliche Preise, der schöne Festplatz auf dem Berg und ein Kinderbelustigungsprogramm am Montag ließen das Waldfest zu einem Familienfest werden. Ein Treffpunkt auch für ehemalige Uettinger, die gerne zu den Festtagen in ihre alte Heimat kommen, obwohl viele der Verlust der alten Gemütlichkeit beklagen.

Entgegen dem allgemeinen Trend - Festtage von Freitag bis Sonntag - hat sich beim Waldfest der Montag als Festhöhepunkt bewährt. Nicht selten bevölkern 2000 bis 3000 Leute den Kirchberg, wenn am Waldfestmontag die Original Aalbachtaler Musikanten oder der Aalbachtal-Express aufspielen.

Die Erlöse aus den jährlichen Waldfesten versetzen den Verschönerungsverein in die Lage, über seinen Vereinszweck hinaus, fördernd in vielen Bereichen der Dorfgemeinschaft einzugreifen. Größere Spenden für Denkmalsrenovierungen, Kirchplatzgestaltung und Dorfverschönerungen gingen bei Bedarf an die Gemeinde. Die evang. als auch die kath. Kirchengemeinde, wurde mit Spenden bedacht. Ein mäzenhaftes Wirken, dessen Großzügigkeit auch den anderen Vereinen zugute kommt.

 

 

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